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Übersetzen - Was ist das überhaupt?
In unserer Welt, die mehr als 3000 Sprachen kennt, sind Übersetzungen
dringend notwendig. Internationale Handelsbeziehungen,
diplomatische Aktivitäten, Bildungsprogramme, Reisen und andere
Aktivitäten sowie Unterhaltungsmedien wie Film und Buch oder
Gebrauchsanweisungen für Elektrogeräte und Computerprogramme
sowie Aufbauanleitungen für Möbel hängen von der Arbeit von Übersetzern
ab – Männer und Frauen, die meist unerkannt und unbekannt
bleiben und sich bemühen, Gedanken und Informationen von einer
Sprache in eine andere zu übertragen. Es ist eine schwierige und
anspruchsvolle Aufgabe, diese Informationen über Sprachgrenzen
hinweg zu vermitteln, da die Sprache ein lebendiges Gebilde ist,
dass sich nahezu täglich ändert.
Fallstricke und Gefahren
Vielfältig sind die Fallstricke, die ein Übersetzer erkennen
muss. Nur die Kenntnis von zwei oder mehr Sprachen reicht nicht
aus, um eine gute Übersetzung zu erstellen. Qualitätsarbeit
erfordert umfangreiche und tiefgehende Kenntnisse auf einem
bestimmten Gebiet. Allein die Sprache bietet viele Gelegenheiten,
auf die Nase zu fallen. Einfache Beispiele hierfür sind die
"false friends" die wohl jeder, der in der Schule
Englisch gelernt hat, kennt. Da gibt es Wörter, die nahezu
genauso aussehen wie im Deutschen, aber eine ganz andere Bedeutung
haben. Wenn ein Amerikaner gas tankt, dann handelt es sich
nicht um Gas, sondern um Benzin. In England sagt man dazu petrol,
was aber nicht mit Petroleum zu verwechseln ist. Petroleum heißt
in England paraffin. Amerikaner verstehen unter paraffin
allerdings Wachs. Solche Begriffe zu kennen und nicht darauf
hereinzufallen, ist für die meisten Übersetzer wohl noch eine
einfache Übung.
Problematischer ist da schon, dass es selten Wörter gibt, die
den gesamten Bedeutungsbereich eines fremdsprachigen Worts
umfassen – ja manchmal existiert noch nicht einmal ein Wort in
der Zielsprache, welches dem Ursprungswort auch nur annähernd
entspricht. Oft muss der Übersetzer unter verschiedenen ähnlichen
Wörtern wählen und dabei das Thema, den Zusammenhang, den Stil
und viele andere Faktoren berücksichtigen. Es kann von ganz
entscheidender Bedeutung sein, die richtige Wahl zu treffen. Außerdem
darf man nicht übersehen, welche Vorstellungen mit einem Wort
verbunden werden.
Redewendungen, Sprichwörter und bildhafte Ausdrücke sind
besonders schwer zu übersetzen. Wo der Engländer zwei Vögel mit
einem Stein trifft, erschlägt der Deutsche zwei Fliegen mit einer
Klappe; wenn es in England Katzen und Hunde regnet, fallen in
Deutschland Bindfäden vom Himmel. Und wenn jemand
"blau" ist, hat auch das im Deutschen und Englischen gänzlich
unterschiedliche Bedeutungen.
Am schwierigsten sind jedoch häufig die nicht eindeutig
genannten, aber vor dem kulturellen Hintergrund der
Ursprungssprache bekannten Informationen und Beispiele. Wie viele
englische, spanische, irische oder auch nur niederländische Märchen
und Sagen oder Bräuche kennen Sie?
Übersetzen – Wissenschaft und Kunst
zugleich
Aufgrund all der genannten Probleme ist die Information nicht
nur so genau wie möglich, sondern auch so frei wie nötig
wiederzugeben. Eine wirklich gute Übersetzung – und die ist nur
mit viel Schweiß und Mühsal zu erreichen – stellt Ansprüche
an Verstand, Gefühl, Herz und Erfahrung, ja an die gesamte Person
des Übersetzers. Das ist auch das Hauptargument gegen maschinelle
Übersetzungen. Die heutigen Programme für
"vollautomatische" Übersetzungen sind einfach nicht in
der Lage, die vielfältigen Nuancen und Optionen der Sprache zu
erkennen und zu berücksichtigen. Probieren Sie es doch einmal mit
den Übersetzungsdiensten diverser Portalseiten aus, z. B.
bei AltaVista. Lassen Sie dort einen beliebigen – auch einfachen
Satz – einige Male von Ihrer Muttersprache in eine Fremdsprache
und wieder zurück übersetzen.
Gerade, wenn der Ausgangstext von jemandem geschrieben wurde,
der versteht mit Worten zu malen und damit nicht nur pure
Information zu vermitteln, sondern darüber hinaus auch Gefühle
zum Ausdruck und Ausbruch bringen, Verständnis vermitteln und
seinen Leser motivieren kann, ist eine Maschine hilflos. Ein
ebenso befähigter Mensch, womöglich gar ein Schriftsteller, ist
erforderlich, um diese Texte getreu und annehmbar zu übertragen.
Besonders in der Dichtung wird dies offensichtlich. Denn hier
spielen nicht nur Informationen eine Rolle, sondern Klangbilder,
Reim, Rhythmus, Wortwahl, Anordnung, grammatischer Aufbau,
vielleicht sogar der Fluss der Verse auf dem Papier.
Die Wissenschaft des Übersetzens entwächst sich nunmehr
insofern und wird zur Kunst, als ein sorgsames Abwägen zwischen
Inhalt und Form hinzu kommt. Es bleibt nicht aus, dass beim Übersetzen
etwas verloren geht. Und egal wie gut oder schlecht, wie einfach
oder komplex der Quelltext auch ist, eine Grundregel darf der Übersetzer
niemals außer acht lassen: Er ist nicht der Autor; daher hat er
nicht das Recht, das Original zu "verbessern". Seine
Aufgabe ist es, die Gedanken, die Gefühle, die Stimmung des
Originals so getreu wie möglich wiederzugeben. Aber was soll er
wiedergeben, wenn die Botschaft des Originals unklar ist? Er darf
dann nicht der Versuchung erliegen, Unklares deutlich zu machen,
Schwaches zu stärken und Plumpes zu verfeinern. Hier Zurückhaltung
zu üben kann eine echte Herausforderung – und Kunst – sein.
Theorie und Praxis
Weiter oben habe ich einige Beispiele aus dem Sprachpaar
Deutsch—Englisch angeführt und in der Folge eine Regel
aufgestellt, mit der nicht jeder konform geht: "Information
[ist] nicht nur so genau wie möglich, sondern auch so frei wie nötig
wiederzugeben".
Wieso könnte jemand dieser Aussage widersprechen? Zwar sollte
in der Theorie eine Übersetzung das Original so getreu wie möglich
wiedergeben. In der Praxis gibt es jedoch große Uneinigkeit darüber,
was als getreu anzusehen ist. Die Formverfechter sehen
den Stil, die Wortwahl, die Redewendungen, den grammatischen
Aufbau usw. eines Textes als wichtigstes an und verlangen, dass
diesen Punkten in der Übersetzung entsprechende Sorgfalt gewidmet
wird. Soweit das Original dies erfordert und es in der Zielsprache
möglich ist, stimme ich hiermit überein. Was aber würden Sie
davon halten, wenn ich in einer Übersetzung schriebe, der
Angeklagte sei per Bahn ins Gefängnis geschafft worden?
Sicherlich würden Sie dies wörtlich nehmen, also davon ausgehen,
der Angeklagte wäre mit dem Verkehrmittel Zug ins Gefängnis
gebracht worden. In einem englischen Text jedoch bedeutet die
Redewendung "He was railroaded to prison" viel
eher, dass die Person unter falschen Beschuldigungen oder zu
Unrecht ins Gefängnis eingeliefert wurde. Und wie mutet der Satz
"Er steckte alle seine Eier in einen Korb." an? Seltsam?
Aber mit der Aussage "Er setzte alles auf eine Karte." können
Sie schon mehr anfangen, stimmt's?
Daher zähle ich mich eher zu den Inhaltsverfechtern und
behaupte, dass der Übersetzer das Recht und die Pflicht hat, die
Form zu ändern, wenn dies unbedingt nötig ist, um den
Inhalt zu vermitteln und beim Leser der Übersetzung annähernd
die gleiche Reaktion zu erzeugen, wie beim Leser des Originals.
Allerdings muss jeder Übersetzer diesen Kampf mit sich selbst
ausfechten und auch ich bin hier nicht festgenagelt.
Übersetzen – Kann ich das auch?
Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, ob das Übersetzen
eine Arbeit für Sie ist. Nun, es gibt ein paar
Grundvoraussetzungen und Ideen, die Ihnen bei der Antwortfindung
und Ausübung behilflich sein können:
- Lernen Sie die Sprachen, in denen Sie arbeiten wollen, gut
kennen.
Eine Sprache gut zu kennen, bedeutet, deren Kulturgeschichte
zu kennen. Jemand sagte einmal, ein Übersetzer müsse die Fähigkeit
entwickeln, "versteckte Zitate zu hören, leise Echos der
klassischen Literatur der betreffenden Sprache, ihre Sprichwörter,
ihre Dialekte." Wenn Sie aus dem Englischen übersetzen
wollen, sollten Sie zumindest mit der Bibel, Shakespeare,
Alice im Wunderland und den geläufigsten Kinderreimen und
Liedern vertraut sein.
- Lesen Sie zweisprachig.
Es hilft außerordentlich, gute Literatur im Original und
einer oder mehreren Übersetzungen zu lesen. Achten Sie
darauf, wie diese übersetzt wurden, welche Freiheiten und
Beschränkungen der Übersetzer genutzt bzw. beachtet hat.
Abonnieren Sie, wenn möglich, Periodika die in beiden
Sprachen gleichzeitig erscheinen. Achten Sie aber darauf, dass
der Inhalt wirklich gleich ist. Besuchen Sie mehrsprachige
Seiten im Internet.
- Lernen Sie die Menschen kennen, deren Sprache Sie übersetzen.
Machen Sie Urlaub im Land "Ihrer" Fremdsprache.
Wenn möglich, leben Sie dort und – wenn Sie es wirklich
ernst meinen, und Ihnen dieser Weg noch offen steht – suchen
Sie sich einen Ehepartner aus diesem Land.
- Lernen Sie Ihr jeweiliges Zielpublikum kennen.
Werden Sie ausschließlich technische Texte übersetzen?
Oder nur Romane? Egal, was Ihr Fachgebiet ist oder sein wird,
setzen Sie sich mit den Menschen, für die Sie übersetzen,
auseinander. Was sagen diese Leute und wie reden sie? Können
Sie Fremdwörter verwenden?
- Bleiben Sie auf dem Laufenden.
Wie bereits erwähnt, ist die Sprache ein veränderliches,
lebendes Gebilde. Neue Wörter werden gebildet, neue Zusammenhänge
hergestellt. Insbesondere wenn Sie sich ein Fachgebiet suchen,
sollten Sie dieses aufmerksam verfolgen und nach Möglichkeit
auf die ein oder andere Art daran teilhaben. Welche Trends
ergeben sich?
- Üben, üben, üben…
Wie auf jedem anderen Gebiet macht auch hier Übung den
Meister. Bitten Sie Ihre Direktkunden oder die Agenturen, für
die Sie arbeiten, um Kritik. Freuen Sie sich über positive
Aussagen und freuen Sie sich noch mehr über negative, denn
hier können Sie sich verbessern. Suchen Sie Rat und
Empfehlungen von qualifizierten Bekannten, Freunden, Kollegen.
Es klingt vielleicht altmodisch, aber seien Sie demütig und
geduldig. Ein guter Übersetzer wird nicht ausgebildet oder
geboren – ein Übersetzer hat nie ausgelernt, sondern
erwirbt und verbessert seine Kenntnisse in einem endlosen
Prozess.
Weiterführende Informationen
Wenn Sie gerne mehr über die Aufgaben eines Übersetzers
erfahren möchten, finden Sie hier einige empfehlenswerte
Informationen und Abhandlungen:
Zuerst einmal wäre da die Seite mit dem Firmenprofil
von Amanuensis – Übersetzungsbüro Guido Lenz.
"Translation as a
Profession" ,
eine von Roger Chriss verfasste und im CompuServe-Forum für
Fremdsprachen, FLEFO, bereitgestellte Artikelserie. Ich habe diese
in einem Word-Dokument zusammengestellt und mit einem
Inhaltsverzeichnis versehen. Die Datei finden Sie in gepackter
Form im Download-Bereich. Achtung! Die Dateigröße beträgt etwa
130 Kilobyte, der Text ist in Englisch geschrieben.
"The Concept of Information in Translation Theory" ,
eine von Billy O'Shea verfasste Arbeit. Ich stelle diese Datei als
Word-Dokument und als PDF im Download-Bereich bereit. Auch diese
Datei ist in Englisch geschrieben und gepackt. Die Größe beträgt
etwa
90 Kilobyte (Word) bzw. 170
Kilobyte (PDF).
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